Bisher größte Befragung von Nutzern von Elektrofahrzeugen
06.02.2012
Die Erforschung der Nutzerakzeptanz im Rahmen des vom
Bundesverkehrsministerium geförderten Programms "Elektromobilität in
Modellregionen" koordinierte das Fraunhofer-Institut für System- und
Innovationsforschung ISI. Die Abschlussbroschüre fasst die positiven
und negativen Nutzererwartungen und -erfahrungen zusammen und gibt
Empfehlungen, wie die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen in die
weitere Entwicklung von Elektromobilität integriert werden
können.
Das Bundesverkehrsministerium förderte mit insgesamt 130 Millionen Euro
die Modellregionen Berlin/Potsdam, Bremen/Oldenburg, Hamburg, München,
Rhein-Main, Rhein-Ruhr, Sachsen und Stuttgart. Die Gesamtkoordination
des Programms lag bei der NOW GmbH Nationale Organisation Wasserstoff-
und Brennstoffzellentechnologie. Ziel war es, die Elektromobilität im
öffentlichen Raum zu verankern. In zahlreichen Projekten in den acht
Modellregionen kamen die unterschiedlichsten Elektrofahrzeuge – Pkw,
Transporter, Elektroroller und Elektrofahrräder (Pedelecs) – in
Flottenversuchen zum Einsatz und wurden sowohl zu privaten als auch zu
gewerblichen Zwecken genutzt.
Die Teilnehmer an den Flottenversuchen füllten im Rahmen der
begleitenden Akzeptanzforschung bis zu dreimal einen Fragebogen aus:
Dabei gaben sie Auskunft zu ihren Erwartungen vor Beginn der Nutzung
des Fahrzeugs, ihren Eindrücken nach einer Nutzungsdauer von bis zu
drei Monaten und ihrer Einschätzung nach einer längerfristigen Nutzung
über mehrere Monate hinweg. Mit mehr als 2.300 ausgewerteten Fragebögen
entstand so eine sehr große Datenbasis – eine solch umfangreiche
Befragung zu den Alltagserfahrungen mit Elektrofahrzeugen gab es in
Deutschland bisher noch nicht.
Insgesamt zeichnet sich ein positives Bild, die Nutzer sind von
Elektrofahrzeugen begeistert: Die Befragten gaben an, dass diese
nützlich im Alltag und sowohl beim Fahren als auch beim Laden einfach
zu handhaben sind. Besonders schätzen sie den Fahrspaß, die positive
Außenwirkung und die Umweltverträglichkeit ihrer Fahrzeuge. So zeigen
die Befragungsergebnisse unter anderem, dass Elektrofahrzeuge ein
"grünes" Image haben. Dies kann gewerblichen Nutzern Vorteile bieten,
beispielsweise wenn sich dadurch Imagegewinne ergeben und neue
Geschäftsmodelle entwickeln lassen. Aber auch für private Nutzer spielt
die Umweltfreundlichkeit eine wichtige Rolle bei der Entscheidung,
Elektrofahrzeuge zu nutzen.
Verbesserungspotenzial bei den Elektroautos besteht vor allem
hinsichtlich Kosten und Reichweite: Die Nutzer in den Modellregionen
nehmen die momentanen Anschaffungskosten für Elektrofahrzeuge als zu
hoch wahr.
Dementsprechend wünschen sich viele Subventionen beim Anschaffungspreis
oder auch Steuerbegünstigungen. Auch die begrenzte Reichweite der
Fahrzeuge wird als Problem empfunden. Hier wünschen sich die befragten
Nutzer deutliche Verbesserungen sowie den Ausbau der
Ladeinfrastruktur.
Viele vertrauen zudem der angegebenen Reichweite nicht voll – sie sind
sich unsicher, wie weit sie noch mit ihrem Fahrzeug fahren können. Aus
anderen Projekten ist bekannt, dass öffentliche Ladeinfrastruktur nur
wenig genutzt wird. Deshalb raten die Forscher des Fraunhofer ISI zu
verlässlicheren und anschaulicheren Anzeigen zur verbleibenden
Fahrzeug- Reichweite – diese könnten Vorbehalte abbauen und Sicherheit
im Umgang mit der Reichweite geben.
Bei der Frage nach konkreten Kaufabsichten im Anschluss an die
Modellregionen-Projekte äußern sich die Befragten zurückhaltend. Jedoch
schätzen sie das Zukunftspotenzial von Elektromobilität positiv ein:
Die Befragten sind überzeugt, dass sich elektrische Fahrzeuge dauerhaft
durchsetzen werden. Sie sind also optimistisch, dass die bestehenden
Probleme gelöst werden – und geben auch Hinweise, wie dies gelingen
könnte: Speziell Nutzungsszenarien im Bereich Intermodalität, also die
Verknüpfung von mehreren Verkehrsträgern auf einem Weg, werden
besonders positiv gesehen.
Auf Basis dieser Ergebnisse wurde eine Roadmap zur Kundenakzeptanz
entwickelt, die sich an Politik, Industrie und Kommunen richtet. Dabei
bezieht die Broschüre wahrscheinliche gesellschaftliche Entwicklungen
ein, die das Umfeld für Elektromobilität beeinflussen: Dazu gehören das
zunehmende Umweltbewusstsein, die abnehmende Bedeutung des privaten
Pkw-Besitzes, Re-Urbanisierungstendenzen und der demographische
Wandel.
Die Forscher geben Empfehlungen, wie sich diese Faktoren positiv für
die Kundenakzeptanz von Elektromobilität nutzen lassen: Die
Umweltfreundlichkeit von elektrischen Fahrzeugen muss durch die
Bereitstellung von Strom aus erneuerbaren Energieträgern sichergestellt
werden. Dies muss den Verbrauchern transparent und glaubhaft
kommuniziert werden. Des Weiteren ist es wichtig, leicht zugängliche
Lösungen im Bereich Intermodalität und Car-Sharing zu entwickeln. Zudem
müssen die Verbraucher umfassend und transparent über Elektromobilität
informiert werden und die Möglichkeit erhalten, elektrische Fahrzeuge
im Alltag testen zu können.
Die Broschüre "Roadmap zur Kundenakzeptanz – Zentrale Ergebnisse der
sozialwissenschaftlichen Begleitforschung in den Modellregionen" kann
unter
www.isi.fraunhofer.de/isi-de/e/download/publikationen/roadmap_broschuere_netz.pdf
heruntergeladen werden.
Quelle: Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung
(ISI) (www.kompetenznetze.de)
